Aufwertung von „Objekten“ zu „Lebewesen“? Taiwans Justizministerium initiiert eine Studie zum Rechtsstatus von Tieren.
- 30. Mai
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Wenn ein Hund oder eine Katze, die seit über einem Jahrzehnt ein Familienbegleiter ist, verletzt wird, wie sollte das Gesetz sie behandeln? Werden sie wie Eigentum wie Tische, Stühle oder Kühlschränke behandelt oder als Lebewesen mit einem besonderen Status?
Am 26. Mai 2026 veranstaltete das taiwanesische Justizministerium die zweite Phase eines Symposiums zum Thema „Überprüfung des Rechtsstatus von Tieren“. Eingeladen waren die Initiatorin Angela Kao, die Abteilung Tierschutz des Landwirtschaftsministeriums sowie Vertreter verschiedener Tierschutzorganisationen, Experten und Wissenschaftler, um das Thema zu erörtern. Zu den teilnehmenden Gruppen gehörten unter anderem die Animal Society Research Association, die Republic of China Animal Protection Association, die Taiwan Animal Protection Administrative Oversight Alliance, die Animal Law Research Association und die Care for Life Association. Ziel war es, den Rechtsstatus von Tieren im Zivilrecht aus rechtlicher, sozialer und tierschutzrelevanter Perspektive neu zu beleuchten.
Dieses Treffen entstand aus einem Vorschlag auf der Online-Plattform für politische Partizipation: „Ändert das Gesetz sofort! Das Bürgerliche Gesetzbuch sollte Haustiere als Lebewesen anerkennen, und die medizinische Versorgung muss transparent sein!“ Der Antragsteller argumentierte, dass das derzeitige Rechtssystem, das Hunde und Katzen als „Eigentum“ behandelt, überprüft werden müsse und dass ein Rechtsrahmen geschaffen werden sollte, der besser mit modernen gesellschaftlichen Werten übereinstimmt und internationale Trends berücksichtigt.
Während des Treffens präsentierten verschiedene Gruppen unterschiedliche Standpunkte. Einige Teilnehmer konzentrierten sich auf Fragen der Schadensersatzpflicht und hofften, dass das Gesetz den tatsächlichen emotionalen Verlust von Tierhaltern widerspiegeln würde, wenn ihre Haustiere verletzt werden oder sterben. Andere befassten sich mit Erbschaft, Betreuungsregelungen und Treuhandsystemen für Haustiere, um zu verhindern, dass Hunde und Katzen nach dem Tod ihrer Besitzer unbetreut bleiben. Einige Tierschutzorganisationen setzten sich zudem für die Gleichstellung aller Tiere ein.
Lorraine Lu, die taiwanesische Vertreterin der World Dog Alliance, wies darauf hin, dass viele Länder weltweit den Grundsatz „Tiere sind keine Sachen“ in ihre Zivilgesetzbücher aufgenommen haben. So haben beispielsweise Deutschland, die Schweiz und Österreich ausdrücklich festgelegt, dass „Tiere keine Gegenstände sind“, während Frankreich, Spanien und Portugal Tiere als „empfindungsfähige Wesen“ definieren. Diese Reformen haben das bestehende Zivilrechtssystem nicht außer Kraft gesetzt, sondern vielmehr die besonderen Eigenschaften von Tieren rechtlich anerkannt, die sie von gewöhnlichem Eigentum unterscheiden.

Lorraine Lu erklärte, das Ziel sei nicht, Hunden und Katzen die gleiche Rechtspersönlichkeit wie Menschen zu verleihen, sondern vielmehr, den grundlegenden Unterschied zwischen Haustieren und gewöhnlichem Eigentum gesetzlich anzuerkennen, um langjährige Probleme im Bereich der Entschädigung und Erbschaft zu lösen. Viele langjährige Tierhalter sorgen sich im Hinblick auf das im Ausland bereits existierende System der „Tiertreuhand“, dass ihre Hunde und Katzen nach ihrem Tod unversorgt bleiben. Sie wenden sich an Tierschutzorganisationen oder Banken, um angemessene Vorkehrungen für ihre Tiere zu treffen. Aufgrund fehlender klarer rechtlicher Grundlagen stößt die praktische Umsetzung jedoch auf zahlreiche Hindernisse.
Es ist erwähnenswert, dass die Abteilung für Tierschutz des Landwirtschaftsministeriums auf dem Treffen erklärte, dass das überarbeitete Tierschutzgesetz in Artikel 1 ausdrücklich festlegen wird, dass „Tiere empfindungsfähige Wesen sind“, und gleichzeitig die Strafen für Tierquälerei verschärft werden. Diese politische Ausrichtung wird als wichtige Weiterentwicklung der taiwanesischen Tierschutzgesetzgebung angesehen.
Nach zweistündiger Diskussion kam das Justizministerium zu keinem konkreten Ergebnis, erklärte aber, weiterhin Stellungnahmen aus allen Sektoren und internationale Daten einzuholen, um die relevanten Fragen weiter zu untersuchen. Dabei sind insbesondere die Definition des Begriffs „Tiere“ im künftigen Gesetz und die Frage, ob zwischen Haustieren und anderen Tierkategorien unterschieden werden soll, wichtige Themen für die zuständigen Behörden.
Auch wenn es noch ein langer Weg bis zur Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes ist, signalisiert dieses Symposium, dass die Diskussionen über den Rechtsstatus von Hunden und Katzen in Taiwan offiziell von der Basisbewegung in die Phase der rechtlichen Prüfung durch die Zentralregierung übergegangen sind. Für die World Dog Alliance, die sich seit Langem für die Verbesserung des Rechtsstatus von Hunden und Katzen als Haustiere einsetzt, ist dies ebenfalls ein wichtiger Schritt, der weiterhin Beachtung verdient.




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